Museum geöffnet: März bis November immer am 2. Sonntag eines Monats geöffnet. 14- 17 Uhr

 

 

Einladung zur Finissage der Grabungen in der „Birk“ bei Seckach-Großeicholzheim

 

Nachdem die archäologischen Untersuchungen im Jahr 2025 neue Erkenntnisse zur karolingerzeitlichen Befestigung „Birk“ bei Großeicholzheims erbracht haben, ist ein Team des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart seit Anfang September wieder vor Ort. In einer zweiten Kampagne sollten ergänzende Erkenntnisse zur Bebauung und zur Befestigung der Anlage gewonnen werden. Zum Ende der Grabung soll der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten werde, sich ein Bild über die Resultate der jüngsten Untersuchungen zu machen. Dazu lädt das Grabungsteam am an Donnerstag, den 1.10.2026, um 16:00 zur Finissage vor Ort ein.

 

Treffpunkt: Auf der Grabung, unmittelbar nördlich des Birkhofs östlich von Seckach-Großeicholzheim

 

Bericht Folke Damminger & Marianne Lehmann:
Seckach-Großeicholzheim, Neckar-Odenwald-Kreis
Von der Manse zur Curtis – Archäologische Forschungen in der frühmittelalterlichen Befestigung „Birk“ bei Großeicholzheim
Zum Forschungsstand
Die 1,7 km ostnordöstlich von Großeicholzheim oberhalb der Seckach gelegene „Birk“ geriet durch niemand Geringeren als Karl Schumacher in den Blickpunkt der Forschung. Während seiner Tätigkeit als Streckenkommissar am Obergermanisch-Raetischen-Limes führte er dort 1897 und 1898 Untersuchungen durch und erfasste dabei ein von einer 2 m mächtigen Mauer umschlossenes unregelmäßiges Oval von ca. 120 m x 80 m Größe (Abb. 1). Unter anderem konnte er in der an der Südseite offenbar noch 0,5 m hoch erhaltenen Mauer ein Kammertor, an deren Innenseite eine mächtige Brandschicht nachweisen. Der zunächst für spätrömisch gehaltene Platz erwies sich im Laufe der Unternehmung als spätkarolingisch. Angesichts dieser Datierung und der aufgedeckten Baubefunde brachte Schumacher die „Birk“ mit den in der Landgüterverordnung Karls des Großen (capitulare de villis) beschriebenen befestigten curtes in Verbindung. Als einzige schriftliche Nennung dürfte sich indes die im Lorscher Codex für 805/813 aufgeführte Schenkung eines Herrenhofs (… uidetur VI hubas in Hecholfesheimer marca et mansum indominicatum cum casa et omni edificio superposito …) auf die „Birk“ beziehen lassen.
Anlass für neue Forschungen
War die Umfassungsmauer der Anlage zu Schuhmachers Zeiten wohl noch im Gelände sichtbar, ließen sich bei Begehungen in den 1970er und 1980er Jahren keine obertägigen Spuren mehr feststellen. Als Bewuchsmerkmale zeichnen sich jedoch sowohl die Befestigung als auch ein von Schumacher seinerzeit nicht dokumentierter Hausgrundriss in den erstmals 2011 angerfertigten Luftbildern ab. Rudolf Landauers erneute Befliegungen im Jahr 2020 rückten die „Birk“ wieder in das öffentliche Bewusstsein und weckten zugleich vor Ort den Wunsch nach einer weiteren Erforschung des Platzes. Da die geänderte Schwerpunktbildung der Archäologischen Denkmalpflege mittlerweile die Ausgrabung solcher vom schleichenden Verlust der Denkmalsubstanz betroffener Fundstellen ermöglicht, wurden für 2025 – just zum 1250-jährigen Ortsjubiläum Großeicholzheims – Untersuchungen in der „Birk“ angesetzt.
Die Kampagne August bis September 2025
Zur Ergänzung und gleichzeitig Georeferenzierung des Luftbildbefundes wurde das Areal der Befestigung im Vorfeld der Ausgrabungen einer geophysikalischen Messung unterzogen. Während sich die Umfassungsmauer und vor allem die von Schumacher seinerzeit festgestellten Brandschichten unmissverständlich im geomagnetischen Messbild abzeichneten, erschien der oben erwähnte Hausgrundriss dort zwar nur schattenhaft, ließ sich damit aber verlässlich verorten. Die mit beiden Methoden erschlossenen Ausmaße der Anlage legten offen, dass der 1903 von Schumacher publizierte Grabungsplan nicht maßhaltig sein kann. Offenbar hat er im Nachhinein die von zwei Strecken aus gemessenen Befunde nicht korrekt zusammenmontiert. Für sich genommen ließen sich diese erstaunlich gut mit dem Luftbild überlagern (Abb. 1), was weitere Anhaltpunkte für die Lokalisierung damals ergrabener Strukturen erbrachte.
Im Inneren: Viel Geologie und ein Webhaus (?)
Eine Reihe sowohl im Luft- als auch im geomagnetischen Messbild aufscheinender paralleler Strukturen im östlichen Bereich der Innenfläche erwiesen sich nach Freilegung als Verwitterungsklüfte im anstehenden Muschelkalk. Immerhin konnten in der hier geöffneten Fläche eine Feuerstelle und eine Grube mit Keramikmaterial aus dem 9./10. Jahrhundert festgestellt werden.
Erfolgreicher verlief die Untersuchung des erwähnten Hausgrundrisses. Nur knapp unter der rezenten Ackeroberfläche ließ sich ein Fundamentgeviert von ca. 7 m x 12 m Größe freipräparieren (Abb. 2). Im Versturz der ehemaligen Hausmauern fanden sich dabei rund ein Dutzend Webgewichte des für die späte Karolingerzeit charakteristischen annähernd kugelförmigen Typs. Bei der weiteren Untersuchung des Gebäudes zeigte sich, dass dessen Nutzungshorizont von der heutigen Geländehöhe gemessen 1,4 m in den Untergrund eingetieft war, wobei sich die untersten Mauerlagen als – teils unter Verwendung von Werksteinen aus der nahe gelegenen villa rustica – sorgfältig gemauert erwiesen (Abb. 3). Die Deutung als Webhaus (genitium) bietet sich an, müsste aber noch durch eine flächige Untersuchung des Souterrainbodens bestätigt werden.
Drei außerhalb der nordwestlichen Hausmauer gelegene Pfostengruben (Abb. 2) könnten von einer Pfostenständerbebauung als Vorgängerstruktur zeugen. In diesem Bereich ohne sicheren Befundzusammenhang zutage gekommene Scherben belegen zudem eine metallzeitliche Vorbesiedlung des Platzes.
An der Südseite der Anlage: Zerstörung und Neustrukturierung
Während die Untersuchung des durch die Überlagerung (Abb. 1) lokalisierten Kammertors nur bis zu den obersten Befundlagen vorangetrieben werden konnte, erbrachte die Freilegung des westlich anschließenden Abschnitts der von Schumacher noch im Aufgehenden angetroffenen Umfassungsmauer neue Erkenntnisse (Abb. 4). Die nur noch in ihrer alleruntersten Lage erhaltene Mauer (Abb. 4,3) wies in Übereinstimmung mit dem Befund von 1897/98 eine Breite von 2,0 m auf. Im Westen endete sie in einem unklaren Baubefund. Sie überlagerte sowohl einen Mauerwinkel (Abb. 4,1), der – obwohl größer als 90 Grad – zu einem Gebäude gehört haben könnte, als auch die von dessen Zerstörung herrührende Brandschicht (Abb. 4,2). Ein weiterer, weiter westlich angetroffener Mauerzug war ebenfalls von einer Brandschicht bedeckt (Abb. 4,1.2). Der Umfassungsmauer vorgelagert fand sich, getrennt durch eine mit einer Steinrollierung befestigten Berme (Abb. 4,4), eine grabenartige Struktur (Abb. 4,5). Dieser mögliche Graben störte auch den vermutlichen Hausgrundriss, unter dem wiederum ausschnittweise Spuren einer noch älteren Siedlungsphase erfasst werden konnten.Eine erstes Resüme
Mit den Grabungen im Spätsommer 2025 konnte nicht nur die fast 130 Jahre zuvor von Karl Schumacher entdeckte spätkarolingerzeitliche Befestigung erfasst werden, es gelang darüber hinaus der Nachweis, dass dieser eine offene – möglicherweise zweiphasige – Siedlung bzw. Hofanlage vorausging. Eine chronologische Differenzierung der Phasen innerhalb der Laufzeit der bei den Grabungen geborgenen Keramik aus dem 8.–11. mit einem deutlichen Schwerpunkt im 9./10. Jahrhundert ist derzeit nicht möglich. Die noch ausstehenden 14C-Daten bringen hier vielleicht weitere Erkenntnisse.
Mit aller Vorsicht ist die offene Hofsiedlung mit dem im Lorscher Codex genannten Herrenhof zu identifizieren. Dieser wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Befestigungsanlage umgebaut, möglicherweise als Verwaltungsmittelpunkt der umliegenden Besitzungen des Klosters. Die formale Ähnlichkeit zu den in den in capitulare de villis beschriebenen curtes ließe sich so durch die Königsnähe Lorschs erklären.
Gedankt sei Lars Unangst, der durch sein Entgegenkommen die Forschungsgrabungen auf seinem Grund und Boden überhaupt erst ermöglicht hat, Günther Schmitt-Haber und den Mitgliedern des Vereins Großeicholzheim und seine Geschichte für das stetige Interesse an dem Projekt und die herzliche Aufnahme des Teams, Rudolf Landauer, der dem Team mit seiner ganzen Erfahrung als Luftbildarchäologe zur Seite stand, sowie Ines Masterson und Daniel Kretzler für die ehrenamtliche Mithilfe bei den Ausgrabungen.
Literaturhinweise
  1. Schumacher in: Mannheimer Geschichtsbl. 4, 1903, 4–7; ders., Die merowingische und karolingische Zeit. Siedelungs- und Kulturgeschichte der Rheinlande von der Urzeit bis in das Mittelalter 3 (Mainz 1925) 148–151; Ch. Morrissey/D. Müller, Wallanlagen im Regierungsbezirk Karlsruhe. Atlas Arch. Geländedenkm. Baden-Württemberg 2, 27 (Stuttgart 2012) 139 (mit weiterer Lit.).
Dr. Folke Damminger/Marianne Lehmann, M.A.
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.