Besuch bei den Kelten

Der Verein Großeicholzheim und seine Geschichte „GusG“ besuchte die Keltenausstellung in Stuttgart

Die sagenumwobene Welt der Kelten im Herzen Stuttgarts war das Ziel des Vereins Großeicholzheim und seine Geschichte „GusG“ am vergangenen Wochenende. Mit Regenschirm gerüstet erreichten die Teilnehmer das Landesmuseum bei schönstem Sonnenschein. Teffpunkt der ersten Führung war im alten Schloss, zweiter Anlaufpunkt das Kunstgebäude. Mehr als 1300 Exponate aus ganz Europa konnten bewundert werden. Der Laie kann nur ahnen, welcher Aufwand an Organisation hinter einem solchen Projekt steckt. Hier zeigt sich mithin auch der Ertrag großer wissenschaftlicher Anstrengungen. Mühen, die vordergründig weder wirtschaftlichen Profit noch großartige gesellschaftliche Inovation in Aussicht stellen. Die im positiven Fall nur einem Zweck dienen: dem gemeinsamen Nachdenken über kulturelle Wurzeln. Der wissenschaftliche Historiker Herr Neumaier, MA, der den Verein begleitete, konnte mit seinem Fachwissen Informatives beitragen. Wir bedanken uns bei ihm für die nachstehende Zusammenfassung über diese Kultur.

„So a Keltn“  sprach die Schweizer Kabarettistin Elsie Attenhofer und meinte die eisigen Temperaturen. Ihr Sketchpartner Hans-Werner Lenz bezog dies jedoch auf ein Volk aus fernster Vergangenheit, die Kelten. Auf Gemarkung Großeicholzheim sind an zwei Stellen Grabhügel aus keltischer Zeit sichtbar, Bodendenkmäler, die wie alle vergleichbaren Anlagen im Landkreis es wert sind, stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert und dem Besucher erschlossen und in angemessener Weise präsentiert zu werden.

Wer waren überhaupt die Kelten? Der griechische Gelehrte und Dichter Apollonios von Rhodos berichtet im 3. Jahrhundert v. Chr., man erreiche die Kelten, wenn man die Rhône aufwärts fahre und stürmische Seen überquere. Erstmals wird die Bevölkerung eines bestimmten Teiles Europas mit einem Namen versehen. Was verbinden wir heutige Menschen gewöhnlich mit den Kelten? Etwa eine allseits bekannte französische Comicserie mit ihren Protagonisten – Häuptling, Krieger, Druide und Barde? Die Bezeichnungen ‚Gallier’ und ‚Kelte’ meinen ein- und dasselbe. Schließlich und endlich wird ein aus Irland bzw. den USA herüberschwappender neuheidnischer Brauch, in dessen Mittelpunkt ein Kürbis steht, den Kelten zugeschrieben. Archäologisch fassbar sind die Kelten als geniale Metallhandwerker, hervorragende Töpfer, tapfere Krieger, Vollstrecker  barbarischer Opfer, historisch bekannt als die Schrecken Roms und Delphis. Im 6. und 5. vorchristlichen Jahrhundert führten die Spitzen ihrer Gesellschaft eine prächtige Hofhaltung, umgaben sich mit Luxusgütern aus dem Süden und hielten ganz nach mediterranem Vorbild aufwändige Bankette ab.

Doch zuerst zum geographischen und zeitlichen Rahmen. So vage die ersten Lokalisierungsversuche durch die Altvorderen auch sein mögen, zielen sie doch letztlich auf den Raum nordwestlich des Alpenbogens – Ostfrankreich, Südwestdeutschland und die nordalpine Schweiz. Die Keltenzeit lässt sich in zwei Phasen gliedern. Da ist einmal ein älterer Abschnitt, die Hallstattzeit (ca. 600-480 v. Chr.), benannt nach einem Gräberfeld in Oberösterreich und ein jüngerer, die sogenannte La-Tène-Periode (Ca. 480 v. Chr. bis um Christi Geburt), die ihre Bezeichnung nach einem berühmten Gewässerfund aus dem Neuenburger See in der Schweiz erhielt. Die Kelten bildeten kein einheitliches Volk, vielmehr handelt es sich um durch Kunststile verbundene Gruppen. Von politischen Interessen geleitet, grenzte Roms Feldherr Caesar sie letztendlich von den damals nach Südwesten vordringenden Germanen ab. Die römische Okkupation bezeichnet denn auch das Ende der eigentlichen Keltenzeit, ihr Nachleben bis weit in die Spätantike ist aber unbestritten. Beispielsweise reichen zahlreiche Gewässernamen unserer Gegend bis in diese Zeit zurück (z.B. die Tauber, Elz). Auch waren nicht wenige der am Limes stationierten Soldaten keltischer Herkunft, zumeist stammten sie aus dem Gebiet um Trier.

An sichtbaren Bodendenkmälern verfügen wir hier bei uns über die Viereckschanze von

Hardheim-Gerichtstetten, kein Heiligtum, wie die frühere Forschung glaubte, sondern ein Herrenhof, der in der letzten Phase seines Bestehens mit Wall und Graben befestigt wurde. Spuren der Kelten haben sich aber vor allem in Form zahlreicher Grabhügel erhalten.

Auf dem Gebiet des heutigen Neckar-Odenwald-Kreis sind derer weit über hundert dokumentiert. Die wenigsten davon sind nach modernem archäologischen Standard ergraben, die meisten wurden bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang der Untersuchungen der Reichslimeskommission unter Federführung des damaligen Streckenkommissars Prof. Karl Schumacher untersucht. Somit kann die Beschäftigung mit den Kelten in unserem Raum quasi als Nebenprodukt der ‚Römerforschung’ gelten. Wie das geborgene Fundmaterial verrät, gehört es der Stufe Hallstatt C, eventuell noch Hallstatt D1 an und ist damit gut zweihundert Jahre älter als das ‚Fürstengrab’ von Eberdingen-Hochdorf.

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