Entscheidendes Kapitel der Ortsgeschichte erlebbar gemacht Bernd Fischer übertrug Großeicholzheimer Renovationsbuch in heutige Sprache/ Übergabe im Heimatmuseum/ langwierige Arbeit

"Der ideelle Wert ist das Entscheidende, auch für die Nachwelt". Dieses Fazit zog Bürgermeister Thomas Ludwig kurz vor Pfingsten im Repräsentationsraum des Wasserschlosses Großeicholzheim bei der offiziellen Präsentation des Buchs „Eicholzheirn 1562 Renovation". Über viele Monate hinweg hatte Bernd Fischer aus Einbach in Zusammenarbeit mit dem Verein "Großeicholzheim und seine Geschichte" e.V. dieses im Großeicholzheimer Archiv lagernde historische Originaldokument in eine allgemein verständliche Sprache übertragen. Ab sofort kann die gesamte interessierte Bevölkerung Einblick in ein entscheidendes Kapitel der Gemeindechronik nehmen und somit Geschichte hautnah erleben. Bürgermeister Ludwig begrüßte eingangs der "kleinen, feinen Feier, die im Sinne Aller sei", auch im Namen von Ortsvorsteher Reinhold Rapp den Übersetzer und ehemaligen Lehrer der Realschule Buchen, Bernd Fischer nebst Gattin sowie die Vertreter des Vereins "Großeicholzheim und seine Geschichte" und besonders Helmut Kegelmann, der ein "wandelndes Geschichtsbuch" sei. Diesem sei es aufgrund von Idee und Kontaktherstellung zu Fischer zu verdanken, dass nun auch Nicht- Experten in die Historie eintauchen könnten. "Wir verfügen über viele Archivalien und verfügen doch nicht über sie, da die Inhalte nur den Wenigsten verständlich sind". Die Erfassung und Übertragung in gebräuchliches Deutsch (Fischer: "Das war der schwierigste Part".) sei daher die ideale Lösung gewesen und die Verbreitung in Buchform sorge für einfachen Zugang zu den Informationen. Die Druckerei Henn + Bauer aus Limbach habe sich als kompetenter Partner erwiesen, was sich auch in der liebevollen Umsetzung und Gestaltung zeige.
Anschließend erläuterte Fischer, der bereits für die Gemeinden Limbach und Buchen im Zusammenhang mit Heimatbüchern tätig gewesen war kenntnis- und detailreich, eingebettet in die historischen Hintergründe, Erstellungsablauf und wesentliche Inhalte des Renovationsbuchs, dessen Bezeichnung jedoch nichts mit Modernisierungsmaßnahmen zu tun habe. Geboren wurde der Gedanke zur Zusammenarbeit mit dem Verein nach einem Museumsbesuch, der Dank der kundigen Führung Helmut Kegelmanns in der Zusammenarbeit mündete. "Ich bin an einen Mann geraten, der nicht nur das Museum vorstellen konnte, sondern der es auch liebt". Die ca. 600 Originalseiten des Renovationsbuchs übertrug Fischer nach dem Abfotografieren einzeln am Computer, eine monatelange .Kärrnerarbeit". durch die wohl nur tiefgehende Passion tragen kann. Fischer, der auch ehrenamtlich das Fürstlich-Leiningsche Archiv in Amorbach betreut, grub aus dem Bücherfundus das "für die Gemeinde unheimlich wertvolle Buch" aus und erstellte den 340 Seiten starken Band, der auf den linken Seiten jeweils den Originaltext und auf den rechten die Übertragungsversion enthält. Die Inhalte im Einzelnen sind:

1. Lehensurkunden des Pfalz-Kurfürsten in Heidelberg über Großeicholzheim und Heidersbach zur Übergabe an hiesige Niederadlige in den Jahren vor 1562. Zu dieser Zeit wurde das Dorf neu verliehen an den Kürfürstlich-Pfälzischen Marschall Hans Pleickard I. Landschad von Steinach (heutiges Neckarsteinach), dem die Einnahmen aus der Herrschaft fortan zugutekamen. Auftragsgemäß ließ Pleickard alle damals auf Einzelurkunden vorhandenen Rechte sammeln und in einem Buch verewigen. Die damit verbundene Erneuerung, sprich: Renovierung, der Rechte, führte zur Namensgebung.

2. Rechtsordnungen, insbesondere die Gerichtsordnung. Hier half der ehemalige Leiter des Notariats Buchen, Herr Erich Hess, umfassend mit und stellte die juristische korrekte Sprache sicher, wofür sich Fischer ganz herzlich bedankte.

3. Güterbeschreibungen (Erwähnung jedes Grundbesitzers und jedes einzelnen Ackers) als umfangreichster Teil. Hierauf lag das Hauptaugenmerk von Kurfürst und Lehensherr, denn dadurch wurden auch die zu zahlenden Abgaben bestimmt. Die Wahrung der eigenen Rechte stand im Vordergrund, nicht die der Untertanen.

4. Ausweitung auf Kleineicholzheim, wo sich Pleickard bei der dort autonom herrschenden Ritterschaft umfassend eingekauft hatte.

5. Bestätigung des damaligen Mosbacher Notars Wolfinger über die Rechtmäßigkeit des Ablaufs der an einem einzigen Tag stattgefundenen öffentlichen Verlesung für die Einwohner inklusive Erfassung der (wenigen und nicht entscheidenden) Einsprüche. Abschließend dankte Fischer Bürgermeister Ludwig, der Druckerei Henn Bauer und Helmut Kegelmann für die verlässliche Zuarbeit und wünschte dem erfolgreichen Verein "Großeicholzheim und seine Geschichte" noch viele weitere interessante Projekte. Auch der 1. Vorsitzende des Vereins, Günter Schmitt-Haber, und Ortsvorsteher Reinhold Rapp sprachen allen Beteiligten herzliche Dankesworte aus. Nach dem Ende des offiziellen Teils mit der Überreichung von Präsenten an Frau und Herrn Fischer folgte noch ein gemütliches Beisammensein mit höchst anregenden Gesprächen.

(Christian Hagenbuch)