Übergabe des Großeicholzheimer Gerichtsbuches
 
 
Mit der Vorstellung und offiziellen Übergabe der neu transkribierten „Gerichtsbuches Großeicholzheim 1628-1724“ erwartete die Besucher des April-Sonntags im Großeicholzheimer Museum im Wasserschloss eine Besonderheit. Als kompetenten Fachmann der Materie konnte der 1. Vorsitzende des Vereins „Großeicholzheim und seine Geschichte“ Günter Schmitt-Haber den „Übersetzer“ Bernd Fischer im Wasserschloss begrüßen, der die interessierten Zuhörer an seinen „Enttäuschungen“ über den Inhalt des Buches teilhaben ließ. Denn wie jeder der Anwesenden war er ursprünglich der Meinung gewesen, der Inhalt eines Gerichtsbuches umfasst die Urteile über Zoff und Streitereien. Und wenn zwei sich streiten, könne man sich als Dritter oder als Leser ganz sicher freuen. Doch der Buchtitel sage etwas aus, was man heute eben ganz anders verstehe. Wie Bernd Fischer erläuterte, sei das Buch im Auftrag des damaligen Landesherrn Maximilian I. Herzog von Bayern begonnen worden, der seit 1623 entgegen dem Reichsrecht während der Kriegszeiten als Kurfürst der Pfalz eingesetzt war. Vorgesetzt zur damaligen Kellerei Großeicholzheim, zuständig für die Dörfer Großeicholzheim und Heidersbach, war das Oberamt Mosbach, das von ortskundigen Leuten geleitet wurde, die dem Herzog durch Eid verbunden waren. Und Inhalt des transkribierten Gerichtsbuches sind keine Gerichtsurteile, sondern z.B. Verwaltungsnotizen wie Grundstückeinträge oder -verkäufe. Als Beispiel führte Bernd Fischer den Verkauf der Hagemühle 1628 von der Edelfrau Maria von Dürk- heimb an Geörgen Rieglern aus Oberkessach auf. Dazu gehörten auch die Erläuterungen über die Zusammensetzung einer Gemeindeverwaltung dieser Zeit. Diese wurde geleitet vom Schuldheiß und dem Gericht (heute vergleichbar mit dem Gemeinderat). Dieses „Gericht“ bestand aus 10 Mitgliedern davon drei Landschieder. Weiter gab es den Bürgermeister (heute Gemeinde- rechner) mit zwei Gehilfen sowie je zwei Bauholzausgeber und Weinschätzer sowie Brotwieger, einen Kuh- und einen Schwei- nehirten. Die Aufgaben des „Dorfgerichts“ waren klar definiert. So waren sie ein wenig zuständig für Strafverfahren in geringfügigen Fällen und für Zivilverfahren. Hauptsächlich aber in Fragen der Vormundschaft, als Grundbuchamt, Notariat oder Einwohnermeldeamt (Bürgeraufnahme). Dagegen wurden die wirklich interessanten Fälle von Mord, Diebstahl, bindbar Wunden oder was die Ehre berührt vom pfälzische Strafgericht in Buchen behandelt, auch hohe Cent oder Blutgericht genannt. Bernd Fischer hatte jedoch keine Erklärung warum Verweise auf solche Fälle in dem von ihm transkribierten Buch vollkommen fehlen. Doch es gelang ihm seine Zuhörerschaft mit lebendiger Erzählweise und sehr viel Fachkompetenz nahezu eine Stunde gespannt bei der Stange zu halten. Mit einem Weinpräsent dankt Günter Schmitt-Haber dem Referenten sowie Richard Weber, Helmut Kegelmann und Ines Masterson als Mitstreiter aus eigenen Reihen bei der neuen Buchauflage.
Wie das bereits vorher transkribierte Renovationsbuch (25 Euro) wird auch das neu herausgebrachte Großeicholzheimer Geschichtsbuch von 1628 bis 1724 (20 Euro) beim Verein „Großeicholzheim und seine Geschichte“ bzw. während der Museumsöffnungen käuflich erwerbbar sein.
 
(aus dem Mitteilungsblatt Nr.15 Gemeinde Seckach)